Erfahrungsbericht zur Bewerbung bei der Studienstiftung des deutschen Volkes

22 April 2020, 10:59 am
Publiziert in Aktuelle Nachrichten
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Hallo! Ich heiße Jane Ring und ich war von Herbst 2016 bis zum Abitur 2019 Schülerin der Gemeinschaftsschule Friedrichsort, an die ich zur Oberstufe gewechselt hatte. Mir war schon während der Schulzeit klar, dass ich Medizin studieren möchte, weshalb mein Ziel natürlich das Abitur mit 1,0 war. Und auch wenn ich anfangs nicht wirklich daran geglaubt habe, dass ich das schaffen könnte, hat es letztlich doch funktioniert. Und nicht nur das, es hat mir sogar noch viel mehr Möglichkeiten eröffnet, als ich dachte! Wie ich beim Abiball erfuhr, hatte mich die Schule für ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes vorgeschlagen. Und so bekam ich einige Tage darauf Post von der Studienstiftung.

 Nachdem ich im September meinen Studienplatz für Medizin erhalten und die nötigen Bewerbungsunterlagen inklusive eines ausformulierten Lebenslaufes eingesendet hatte, vergingen einige Wochen im November erhielt ich dann eine Einladung zu einem Auswahlseminar über ein Wochenende im Februar. Als es dann endlich so weit war, lag ich leider mit einer Grippe im Bett und bekam daher einen Ersatztermin im März zugeteilt. Der Veranstaltungsort war eine Jugendherberge „Zündholzfabrik“ in Lauenburg direkt an der Elbe. Als ich am Freitagnachmittag dort eintraf, bekam ich an der Rezeption gleich meinen Zimmerschlüssel und brachte erst einmal meine Sachen aufs Zimmer, wo ich dann auch schon die Bewerberin traf, mit der ich es mir teilte. Wir gingen zusammen in die Lobby, wo sich schon die meisten anderen der insgesamt 48 Bewerberinnen und Bewerber eingefunden hatten. Obwohl sich niemand der Anwesenden kannte, entwickelten sich nach anfänglichem Smalltalk schnell sehr interessante Gespräche. Nach einem gemeinsamen Abendessen stellten sich dann die Mitglieder der Auswahlkommission vor, die alle selbst einmal Stipendiaten gewesen sind und uns wurde der Ablauf der nächsten beiden Tage erklärt. Den Rest des Abends hatten wir die Gelegenheit, einander besser kennenzulernen. Für das Auswahlseminar hatten alle Bewerber ein siebenminütiges Referat über ein Thema aus unserem persönlichen Interessenbereich vorbereiten sollen. Ich hatte das Thema „Was ist Kunst?“ gewählt. Wir wurden in Sechsergruppen eingeteilt, in denen jeder beobachtet von einem der Kommissionsmitglieder im Laufe des Samstags sein Referat ohne technische Hilfsmittel präsentieren und anschließend 13 Minuten lang eine Gruppendiskussion zum Thema moderieren musste. Zwischen den Referaten hatten wir immer mindestens eine halbe Stunde Pause und somit auch die Gelegenheit, uns zu unterhalten und in kleinen Gruppen die Stadt zu erkunden. Außerdem führten alle Bewerber an diesem Tag ihr erstes von zwei Einzelgesprächen mit einem der Kommissionsmitglieder, das 35 Minuten dauern sollte. Die Einzelgespräche kann man sich nicht als klassische Bewerbungsgespräche vorstellen. Vielmehr versuchen die Kommissionsmitglieder hier mehr über die Bewerber und deren persönliche Interessen und Motivationen zu erfahren, wofür auch die ausformulierten Lebensläufe verwendet werden. In meinem ersten Gespräch ging es hauptsächlich um mich als Person, meine Hobbys und Ziele für die Zukunft. Am Abend erzählten uns die Kommissionsmitglieder dann noch viel über die Geschichte der Studienstiftung und deren Angebote für Stipendiaten, danach hatten wir wieder Freizeit. Am Sonntag hatte ich kurz nach dem Frühstück dann mein zweites Einzelgespräch, in welchem es hauptsächlich um Politik und Philosophie ging. Es war aber nicht so als sei ich zu diesen Themen einfach Wissen abgefragt worden, das Gespräch hatte sich einfach in diese Richtung entwickelt und wichtig schienen dem Kommissionsmitglied vor allem meine persönlichen Ansichten zu sein, wobei diese auch nicht als gut oder schlecht gewertet wurden. Nach dem Gespräch verabschiedete ich mich noch von den anderen Bewerbern und fuhr dann wieder nach Hause.

Um ehrlich zu sein war ich vor diesem Wochenende sehr nervös, aber es hat wirklich Spaß gemacht! Ich hatte die Gelegenheit, viele interessante Menschen aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen kennenzulernen und mich mit ihnen auszutauschen. Die Gespräche, Referate und Diskussionen haben mir viele neue Denkansätze geliefert und auch die Einzelgespräche waren sehr anregend. Es gibt für die Auswahlseminare der Studienanfänger keine feste Quote von Bewerbern, die aufgenommen werden, uns wurde aber gesagt, es wäre im Schnitt einer von vier. Darum wollte ich mir keine allzu großen Hoffnungen machen, aber zwei Wochen später bekam ich per Post meine Aufnahmebestätigung. Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals bei der Schule für den Vorschlag bedanken, der mir diese Chance gegeben hat und ermutige alle Schülerinnen und Schüler, die studieren möchten, sich unter www.studienstiftung.de näher über die Studienstiftung, deren Auswahlverfahren und -kriterien und die Angebote für Stipendiaten, die z.B. Sprachkurse Sommerakademien oder ein Studium im Ausland beinhalten, zu informieren. Auch eine Selbstbewerbung mit Auswahltest ist möglich. Viel Glück!